Montag, 29. Februar 2016

Zombie-Invasion



Im Juli 2015 standen plötzlich Zombies vor meinem Schreibtisch. Sie waren sozusagen ein Mitbringsel von der FeenCon 2015. Glücklicherweise wollten sie mich nicht anknabbern, sondern sich nur nett unterhalten. Die meisten jedenfalls … 
 
Zu mir geschickt wurden diese Untoten vom Papierverzierer-Verlag in Form meiner ersten Übersetzung: „Zombies weinen nicht“ (Rusty Fischer). Bevor ich mit dem Lesen angefangen hatte, wusste ich drei Dinge: Erstens, es geht um Zombies. Zweitens, es ist ein Jugendbuch. Und drittens ist es eine Mischung aus Fantasy und Liebesgeschichte. Ich war also einerseits ziemlich gespannt und habe mich auf meine erste Übersetzung gefreut, andererseits war ich aber tatsächlich auch ein wenig skeptisch. Die eher düsteren Gestalten der Phantastik, wie beispielsweise Vampire, Werwölfe und so weiter, mag ich sehr. Zombies waren da bisher eher die Ausnahme. Zombie-Filme waren so gar nicht mein Ding und auch sonst habe ich eher einen Bogen um dieses Völkchen gemacht.
Und dann kam Maddy, die Hauptfigur in „Zombies weinen nicht“. Diese Zombies sind tatsächlich so dermaßen anders als die Zombies, die mir bisher so begegnet waren, dass ich sie richtig cool finde. Und, auf ihre spezielle Art, verdammt lustig. Das hat das Übersetzen im Nachhinein ziemlich erleichtert, weil es nicht besonders schwer fällt, viele Stunden am Tag mit einer Geschichte zu verbringen, bei der man nicht nur wissen will, wie sie ausgeht, sondern auch noch oft genug laut lachen muss. 


Trotz allem Spaß ist Übersetzen aber auch unheimlich konzentrationsintensiv. Das merkt man spätestens dann, wenn diese Konzentration zwischendurch abnimmt. Irgendwie kam mir dann auch noch der Gedanke an eine gewisse fleischfressende Pflanze dazwischen, und das Endergebnis war, dass ich „nuclear plant“ im ersten Durchgang nicht mit „kerntechnische Anlage“ übersetzt habe, wie es das Wörterbuch sagt, oder etwas hübscher mit „Atomkraftwerk, sondern mit „Nuklear-Pflanze“ (sehr zur Belustigung meines Mannes). Ich hatte mich auch gewundert, wieso jemand bei einer Nuklear-Pflanze arbeitet und was es in Florida für seltsame Gärtnereien gibt … Zum Glück ist die nukleare Verwirrung im zweiten Durchgang schnell aufgefallen.

Zur Quelle des Bildes und für alle, die jetzt 
neugierig geworden sind, geht es hier lang.
Wenn man etwas zum ersten Mal macht, ist ja immer die große Frage: Wie? Beim Übersetzen habe ich mich an das gehalten, was mir meine Englisch-Lehrer in der Schule beigebracht haben. Einfach mal drauflos übersetzen, sich nicht von jedem vereinzelten Wort aufhalten lassen, das man nicht direkt versteht, sondern einfach mal machen. Der erste Durchgang war daher eine Art Rohfassung mit vielen Kommentaren und bunten Markierungen für einzelne Wörter, Sätze und Redewendungen, die nicht aus dem Handgelenk funktioniert haben.

Diese erste Fassung fertig zu bekommen, ging auf die Art ziemlich schnell. Die ganzen Feinheiten haben schließlich noch einmal ungefähr genauso lange gedauert. Vor allem Ausdrücke aus der Umgangssprache von Teenagern an der Highschool sind eine spannende Sache, wenn man selbst nie an einer Highschool in Florida war. Und Sprichwörter vom Englischen ins Deutsche zu übertragen, ist hin und wieder durchaus ein bisschen Rätselraten. Das lässt sich aber durch Nachdenken und mit Hilfe der richtigen Wörterbücher alles regeln. Spannend wird es dann, wenn weder das Oxford-Dictionary noch die Internet-Wörterbücher einen schlauen Vorschlag haben. Oder wenn ein englisches Sprichwort keine echte Entsprechung im Deutschen hat. Das hat dann ein klein wenig von einem sprachlichen Detektivspiel, kommt aber zum Glück nicht furchtbar häufig vor. 
Im Endeffekt hat die Vorgehensweise, sich nicht von solchen kniffligeren Sätzen aufhalten zu lassen, sondern das Buch erst mal grob komplett zu übersetzen und dann an den ganzen Feinheiten zu basteln, prima funktioniert. (Wobei ich mich danach ernsthaft gefragt habe, ob es überhaupt eine sinnvolle andere Vorgehensweise gibt. Sich an jeder einzelnen Seite aufzuhalten, bis sie richtig fertig ist – macht das überhaupt jemand?) 

Das ganze Manuskript ist schließlich pünktlich fertig geworden und jede Menge Spaß hat es auch noch gemacht. Meine Highlights: Die Situationskomik, Maddy als Figur, die mit typischen Teenagerproblemen kämpft, ohne ein richtig typischer Teenager zu sein – und die im Horror-Bereich recht verbreitete Selbstironie. Wie in „Zombies weinen nicht“ das Genre der Horror-Filme auf die Schippe genommen wird – ich grinse immer noch :-). Und dann kam, nachdem ich das Manuskript schon abgegeben hatte, noch ein Highlight dazu, das mit dem Text nichts zu tun hat: Das Cover. Deswegen musste es auch unbedingt noch mal hierher.

Gut, dass „Zombies weinen nicht“ nur Teil eins war. An der Übersetzung von Teil zwei sitze ich gerade (bisher kommen auch noch keine seltsamen Pflanzen vor) und Teil drei folgt danach ja auch noch.

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