Dienstag, 29. März 2016

Inspirationsquellen



Ohne Inspirationen und Ideen keine Geschichten. Aber wo nimmt man die regelmäßig her? Abgesehen davon, dass Ideen einen gerne mal einfach so von selbst überfallen, tun sie das ja vorzugsweise, wenn man eigentlich keine Zeit hat. Und wenn man sie gerade gebrauchen könnte, lassen sie sich nicht unbedingt blicken. Es gibt jede Menge Ratgeber, Tipps usw. dazu und man hört recht oft die Aussage, dass Ideen auf der Straße liegen. Prinzipiell würde ich sogar fast sagen, dass das stimmt. Man kann vor die Tür gehen, um die nächste Ecke biegen und irgendetwas sehen oder hören, was die Rädchen im Kopf zum Klicken bringt. Die Welt ist voller Dinge, aus denen Ideen entstehen können, weil Ideen grundsätzlich aus allem entstehen können. Oder man findet dort draußen einfach mal nichts.
Die Sache mit den Tipps zur Ideenfindung ist ja auch, dass jeder Mensch anders tickt. Bei einigen funktionieren Bilder super, anderen fällt zu einem Lied gleich der Kinofilm ein. Das heißt aber auch, dass es kein Inspirations-Patentrezept gibt, sondern nur persönliches Empfinden. Eigentlich macht es das noch spannender. Da also die Suche nach dem einen großen Ideenfindungs-Patentrezept zum Scheitern verurteilt war, gibt es stattdessen eine vollkommen subjektive Liste ohne bestimmte Reihenfolge. 

Musik

 

Meine persönliche Inspirationsquelle Nummer eins. Das kann die Atmosphäre eines bestimmten Liedes sein oder auch eine Zeile oder nur ein einziges Wort aus dem Text. Sogar wenn Geschichten irgendwo festhängen, bekommen sie den entscheidenden Schubs oft durch neue Musik. Oder die komplette Idee basiert von Anfang an auf einem Lied. Deswegen laufen bestimmte Lieder auch in Dauerschleife, wenn ich bestimmte Szenen schreibe, Musik ist eben prima, um sich in bestimmte Stimmungen hinein zu fühlen und diese dann auch besser wieder aufzuschreiben. Sogar die erste Übersetzung hatte ihre Hintergrundmusik, mit der es gleich noch viel besser lief. Entsprechend verwirrt war ich dann ja auch, als es plötzlich diese eine unmusikalische Geschichte gab. (Sie hat immer noch keinen Soundtrack, aber eigentlich geht es ihr bestens.) 

Fremde Geschichten

 

Andere Geschichten funktionieren dagegen wirklich nur mäßig bis gar nicht. Bei mir liegt das daran, dass ich immer die Befürchtung habe, wenn eine Idee durch eine fremde Geschichte zu mir kommt, nehme ich zu viel aus dieser Geschichte mit. Die Hauptfiguren ähneln sich vielleicht zu sehr, ein Baustein vom Plot ist zu ähnlich, etwas in der Art. Natürlich kann man nicht ständig das Rad neu erfinden und es wird immer mal wieder Ähnlichkeiten zwischen Geschichten geben. Aber zu viel Ähnlichkeit wäre eben nicht der Sinn der Sache.
Einzelne Details funktionieren aber manchmal doch. Zum Beispiel ist mir wegen einer Szene auf einer Brücke in einem Buch die Idee gekommen, wie sich zwei Hauptfiguren in einer meiner Geschichten kennenlernen – völlig anderer Kontext, völlig andere Brücke (das reale Vorbild steht übrigens in Mainz), grundverschiedene Figuren und noch verschiedenere Plots. Das war dann ok.
Was wiederum geht, sind Gedichte. Gedichte und Lieder sind sich ja nicht so furchtbar unähnlich und Gedichte arbeiten mehr mit Bildern und Stimmungen und nicht mit festen Handlungsabläufen. 

Draußen


Nächste Inspirationsquelle: Draußen. Vor allem in dem Park, durch den meine Laufstrecke führt, liegen Geschichten förmlich auf den Wegen. Gleich neben der Burg:

Deswegen wurde der Park dann auch zum Schauplatz für eine Geschichte und eine ganz bestimmte Brücke zum Übergang in eine andere Welt. Schon wieder eine Brücke, ok, aber eine ganz andere mit einer völlig anderen Funktion in der Geschichte. Und so sieht sie in dem Fall aus: 



Natur funktioniert bei mir besser als Stadt, auch wenn tatsächlich schon ein Plakat am Bahnhof gereicht hat. Was dagegen bei manchen Leuten zu klappen scheint, bei mir aber so gar nicht, ist, Menschen zu beobachten und sich zu überlegen, woher sie kommen, wohin sie wollen usw. Dazu spuckt mein Kopf einfach nichts aus.
Gebäude sind aber prima. Je älter und je seltsamer oder auch gruseliger, umso besser. Das müssen auch gar keine Burgruinen sein, alte Fabrikhallen sind auch ganz toll. 

 

 

 

Bilder

 

Dann wären da ja noch Bilder. Klappt bei mir selten. Hin und wieder. Wahrscheinlich bin ich dafür zu sehr auf Töne geprägt. Die einzige richtige Idee, an der tatsächlich ein Bild „schuld“ war, wartet immer noch, bis ich Zeit für sie habe. Geschichten über Bilder sind toll, Gemälde können ja hin und wieder ganz spannende Dinge anstellen, wenn man nicht aufpasst. Nur in meinem Kopf stellen sie schreibtechnisch nicht viel an. Wenn ich darüber nachdenken müsste, im Sinne von „Was für eine Geschichte könnte dir zu diesem Bild einfallen?“, dann wahrscheinlich schon. Aber zufällige Ideenfindung? Eher auf dem Festival als im Museum. 

Kinder und Narren sagen die Wahrheit …

 

Es gibt da noch diese Ideenlieferanten, die sich in aller Regel absolut nichts dabei denken: kleine Kinder. Wie oft die lieben Kleinen in meiner Familie oder im Freundeskreis im richtigen Moment das Richtige gesagt haben – keine Ahnung, ich habe nicht mitgezählt. Aber die unmusikalische Geschichte würde es zum Beispiel nicht geben, wenn nicht eine Zweijährige aus meinem Wohnzimmerfenster geschaut und die simple Frage gestellt hätte: „Wohnt der Drache da draußen?“ (Ich musste ihr leider erklären, dass da draußen keine Drachen wohnen, aber dann hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen und warum denn eigentlich auch nicht …).

Träume

 

Träumen klingt immer so nach Luftschlössern, Schwärmereien, Realitätsferne. Aber mal ehrlich, wie soll man sich ohne eine gewisse Dosis Realitätsferne fantastische Geschichten ausdenken?
Tatsache ist auch, dass Träume und der menschliche Schlaf für die Wissenschaft extrem interessant sind. Und auch ziemlich wichtig, weil das Unterbewusstsein hier Dinge verarbeitet. Tagsüber benutzen wir nur einen verhältnismäßig kleinen Teil des Gehirns, nachts ist da viel mehr aktiv – das heißt, im Prinzip erlebt man das eigene Unterbewusstsein im Traum so richtig in Aktion. Nur im Traum. Dass das Gehirn im Schlaf aktiver ist als beim Fernsehen, muss ja seine Gründe haben. Träume kann man also in dem Sinne, dass sie eine wichtige Form von Gehirnaktivität sind, durchaus ernst nehmen. Wieso auch nicht, was der kleinere Teil unseres Gehirns tagsüber macht, interessiert uns ja schließlich auch.
Letzten Endes wandert so viel Input, den man tagsüber aufnimmt, gar nicht ins bewusste Denken, sondern ins Unterbewusstsein. Und nachts hat man manchmal die Chance, doch noch darauf zuzugreifen. Eigentlich ist das verdammt spannend und es gibt wohl nicht umsonst so viele Geschichten und Filme, die genau das thematisieren.
Meine nächtliche Gehirnaktivität bringt manchmal wirklich Dinge hervor, die man aufschreiben kann und die dann, mit ein paar kleinen Änderungen, noch immer Sinn ergeben. Oder auch nur einen Charakter, der eine tolle Figur in einer Geschichte abgeben würde.

Zufälle

 

Und ganz am Ende, wenn doch die Ideen manchmal auf der Straße liegen, ist dann nicht einfach sehr vieles schlicht und ergreifend Zufall? Wie die Katze, die mir im richtigen Moment vor die Nase gesprungen ist, um einer Figur aus der „Weihnachtsgeschichte“ einen Namen zu geben. Zuerst war das nur so eine Idee und eigentlich benennt man doch Hauptfiguren nicht nach der Nachbarskatze, aber in diesem Fall wollte die Figur das nicht mehr anders. Also schön. Das ist übrigens die zweite sinnvolle Idee, die ich einer Katze verdanke, vielleicht sollte ich die Vierbeiner als eigenen Punkt in die Liste aufnehmen … Und Katze hin oder her: Im richtigen Moment in die richtige Richtung schauen, um da etwas zu sehen, was total spannend ist – oder es sagt jemand aus einer Laune heraus etwas, was einen wunderbaren Hinweis für einen Plot gibt – da spielt der Zufall doch irgendwie immer mit. Auch wenn David Hume gesagt hat, dass es keine Zufälle gibt, sondern dass wir nur die Dinge so nennen, die wir uns wegen mangelnder Erfahrung nicht anders erklären können. Hume ist ja jetzt nicht da und ich glaube nicht, dass er sich im Grab umdreht. Also: Inspiration durch Zufall. 

Ob meine subjektive Liste jetzt wirklich vollständig ist? Keine Ahnung. Selbst wenn nicht, die Ideen kommen ja irgendwann, irgendwie, oft von selbst. Viel schwieriger ist die Umsetzung ... Aber bevor ich mich damit wieder beschäftige, geht es erst mal zu einem musikalischen Highlight für dieses Jahr, das ja vielleicht auch wieder ein paar Ideen bringt. Das verrate ich dann, wenn es geklappt hat ...

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