Freitag, 13. Mai 2016

Teuflisches Viehzeug


Schwarze Katzen von links bringen Unglück, Vampire verwandeln sich in Fledermäuse und der Teufel kommt als Eichhörnchen. (Na, ist das Fellknäuel jetzt immer noch so niedlich? :-) )


Was allem möglichen Viehzeug so nachgesagt wird, kann schon ganz spannend sein. Mit den drei Redensarten hört es ja noch lange nicht auf. Der Teufel, Vampire oder auch Hexen sollen sich in alle möglichen Viecher verwandeln können, mit denen man erst mal gar nicht so rechnet. Mit all den dämonischen Fellbällen könnte man wahrscheinlich einen eigenen Zoo füllen – ein Streichelzoo wird das aber wohl eher nicht …


Es ist clever, also muss es böse sein 


Alleine der Teufel hat so viele Gestalten, dass er praktisch an jeder Ecke auftauchen kann: Schlange, Drache, Eichhörnchen, Fuchs und nicht zu vergessen, der berühmte Pudel mit seinem höllischen Kern. Und das war garantiert noch nicht alles. Wie man auf Füchse und Eichhörnchen kommt, war mir lange Zeit nicht ganz klar, aber es hatte wohl mit dem roten Fell zu tun, mit der Schnelligkeit von Eichhörnchen und damit, dass ein Fuchs so ein cleveres Kerlchen ist. Interessante Schlüsse, die sich daraus ziehen lassen: Wenn etwas schnell und /oder clever ist, muss es aus menschlicher Sicht teuflisch sein. Ähm … ja. Klingt vollkommen logisch.

Schwarzes Fell war übrigens auch dämonisch. Deswegen schwarze Pudel. Man stelle sich mal vor, der Pudel wäre weiß gewesen, vielleicht wäre dann aus weißen Pudeln nicht so ein Modehaustier geworden. 



Bissige, biestige Fledermäuse 


Der Teufel und seine Dämonen haben auf Bildern auch gerne mal Fledermausflügel. Irgendwie muss man Dämonen ja von Engeln unterscheiden können und wenn beides Flügel hat, dann müssen das natürlich unterschiedliche Flügel sein. Den Fledermäusen dürfte ziemlich egal sein, dass ihre Flügel auch noch für Dämonen herhalten müssen, die armen Dinger sind sowieso an allem schuld. In der Bibel wurden sie mit den Heiden in Verbindung gebracht, es gibt einiges an Bildern und Texten aus ganz verschiedenen Epochen, in denen Fledermäuse irgendwie etwas Böses oder zumindest nichts Gutes sind, dazu kommen Vorstellungen, dass Fledermäuse sich in Hexen oder Vampire verwandeln (oder umgekehrt, kommt ganz darauf an) und den Menschen Blut aussaugen.

Warum eigentlich Fledermäuse und nicht Stechmücken? So aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Stechmücken einen sofort überfallen, wenn man nachts auf dem Balkon sitzt – die Fledermäuse, die so ab Sonnenuntergang auch da draußen herumfliegen und auch irgendwie jedes Jahr mehr werden, sind dagegen ganz umgänglich. Die fliegen einem zwar hin und wieder auch mal wortwörtlich um die Ohren, aber gebissen hat mich davon bis jetzt noch keine …

In anderen Ländern sieht man die Flatterdinger auch etwas anders, in China kommen sie richtig gut weg, da bringen sie Glück. Es gibt aber auch die hübsche Idee, dass die Seele beim Tod eines Menschen den Körper als Fledermaus verlässt. Heißt das, wir haben alle eine kleine innere Fledermaus? Irgendwie ist das schon wieder niedlich. 

 

Der Blutsauger im Kleiderschrank


Aber noch mal zurück zu den Blutsaugern. Dass Vampire nachts als Fledermäuse durch die Gegend fliegen, ist ja im Prinzip schon nicht mehr spannend. Dabei beißen die echten blutsaugenden Fledermäuse, die es gibt, eigentlich keine Menschen. Gefährlicher ist da schon ein Nachtfalter, der wohl wirklich alles anfällt, inklusive Menschen. Calyptra eustrigata. Schon gefährlich, diese Motten. Vielleicht war die Schlussfolgerung, dass sich Motten im Kleiderschrank verstecken, weil sie die Kleider anknabbern, doch nicht so ganz richtig - und eigentlich lauern sie da auf was ganz anderes ... 
So völlig aus der Luft gegriffen ist es dann wohl doch nicht, dass sich Vampire angeblich in Schmetterlinge verwandeln können. Aber nicht nur in Schmetterlinge. Es gibt eine wirklich lange Liste, da stehen unter anderem Katzen, Frösche, Spinnen (da soll noch einer sagen, die wären harmlos), Wölfe, Werwölfe, Pferde, Schweine, Schlangen und Hunde drauf. Je nachdem, wen und in welcher Gegend man fragt. Das Ganze lässt sich auch ganz knapp zusammenfassen: So ziemlich alles, was da draußen unterwegs ist, läuft, fliegt, hüpft, krabbelt oder kriecht, und Fell, Flügel und / oder spitze Zähne (und Ohren) und zu viele Beine (oder gar keine) hat, ist möglicherweise auf Menschenblut aus. Wäre es jetzt nicht einfacher, eine Liste von Tieren zu machen, die garantiert ungefährlich sind? Marienkäfer zum Beispiel? Bienen und Vögel stehen auf der Blutsauger-Dämonen-Sonstwas-Liste auch nicht drauf – aber die Hexen fehlen ja noch. 


Hexen im Federkleid


Hexen müssen in der Walpurgisnacht auch irgendwie zum Blocksberg kommen. Klar, mit dem Besen, das kennt man ja. Es geht aber wohl auch anders, indem man sich einfach in ein Tier verwandelt, das fliegen kann. Eine Eule zum Beispiel. Damit wäre der Ruf der Vögel also auch ruiniert. Angeblich konnten sich Hexen auch in kleine Vögelchen verwandeln und aus der Gefangenschaft flüchten. Wobei man sich da wirklich fragen muss, warum dann nicht viel mehr Hexen aus den Händen der Inquisition geflüchtet sind …

Aber fliegen zu können war ja nicht alles. In die berühmten schwarzen Katzen konnten sie sich wohl auch verwandeln, außerdem in Wölfe und das war mit Sicherheit noch nicht alles.

Die Wölfe können einem also fast genauso leidtun wie die Fledermäuse. Werwölfe, Hexen und Vampire hängen im Prinzip alle ziemlich eng miteinander zusammen, teilweise ist das Wort für „Hexe“ und für „Vampir“ sogar dasselbe. Ist auch in der Hinsicht kein Wunder, weil die Vampire auch gerne mal für solche Späße wie die Pest, anhaltende Trockenheit oder andere schädliche Ereignisse verantwortlich gemacht wurden, das waren also nicht immer nur die Hexen. 


Dämonische Artenbestimmung, tödliche Prophezeiungen und jede Menge Erdnüsse


Und jetzt die Preisfrage: Woran sehe ich denn, wenn ich ein unerschrockener Monsterjäger bin und nachts durch die Gegend ziehe, ob ich einen Werwolf vor mir habe, einen Vampir, der sich in einen Werwolf verwandelt hat, eine Hexe, die sich in einen Wolf verwandelt hat, oder einen Dämon in Wolfsgestalt? Hat da überhaupt noch jemand durchgeblickt oder hat man die einfach mit silbernen Pflöcken getötet? So vorsichtshalber, weil hilft auf jeden Fall?

Zugegeben, das war jetzt ein ziemliches Durcheinander aus verschiedenen Regionen und Zeiten. Frösche sind nicht überall getarnte Blutsauger und die Katzen sind mittlerweile ja auch irgendwie rehabilitiert. Man sieht aber, dass so ziemlich jedes Viehzeug schon mal auf der Liste der gefährlichsten dämonischen Erscheinungsformen stand – Stoff genug für viele, viele Geschichten.

So um Weihnachten herum werden übrigens alle Haustiere gefährlich. In den Rauhnächten können Tiere angeblich sprechen und die Zukunft vorhersagen. Das hilft nur nicht viel, weil jeder, der das hört, nicht mehr lange lebt. Seltsame Einrichtung also und für Besitzer von sowieso sprechenden Papageien vielleicht nicht ideal … immerhin muss man sich erst mal überlegen, ob der Vogel jetzt einfach so plappert oder ob das eine tödliche Rauhnacht-Prophezeiung ist.


Falls man sich also fragt, warum sich die tierischen Mitbewohner gerade so seltsam benehmen – vielleicht hilft ja Weihwasser. Oder ein silbernes Halsband. Jedenfalls bekommt das Eichhörnchen von uns weiterhin seine Erdnüsse, die Fledermäuse werden begeistert vom Balkon aus beobachtet und die Nachtfalter nicht erschlagen, sondern nach draußen gesetzt. Wenn man nett zu ihnen ist, sind sie das umgekehrt vielleicht auch – und man weiß ja nie, wann man mal einen Gefallen von dem netten Vampir aus der Nachbarschaft braucht  ;-).

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