Mittwoch, 14. September 2016

Die Welt braucht mehr von den Verrückten



Es ist schon komisch, wenn man sich, vor allem gerade jetzt, so umschaut. Also zum Beispiel in Richtung Leipzig. Aber es ist halt nicht nur Leipzig und nicht nur im Moment. Da sind ganz allgemein Autoren, die ordentlich Bücher verkaufen und Publikum anziehen. Nur leider, leider aus dem Genre Phantastik. Egal, was aus der Ecke kommt, es scheint noch immer so zu sein, dass dieses gesamte Genre, inklusive sämtlicher menschlicher und sonstiger Bestandteile, einfach nicht ernst genommen wird. 

Muss man das jetzt verstehen? Immerhin steckt auch in vielen Klassikern der Literatur schon eine gehörige Portion Phantastik und die werden ja wohl auch ernst genommen. Das hatten wir schon vor einer Weile hier.

Es ist natürlich so, dass ich in der Hinsicht nicht objektiv bin, als bekennender Fan von phantastischer Literatur. So lange bin ich auch noch nicht in diesem wundervollen Bücherzirkus dabei, da haben andere Leute deutlich mehr Erfahrung, aber eins stellt man ziemlich schnell fest: Man trifft eine unglaubliche Menge wirklich netter und unkomplizierter Menschen. Menschen, die richtig tolle Sachen auf die Beine stellen. Nicht nur in Bezug auf Bücher an sich, sondern auch darüber hinaus in dem ganzen Fantasy, Science-Fiction usw.-Kosmos. 

Egal, ob es jetzt um Bücher selbst oder sonstige Dinge aus dem Bereich Fantasy, Sci-Fi usw. geht: Da sind Leute unterwegs, die hängen an dem, was sie tun. Die brennen für das, was sie da machen. Das mag in unserer heutigen Welt furchtbar naiv erscheinen, schließlich verdient man höchstwahrscheinlich nicht das große Geld damit. Aber dafür erzeugt man Begeisterung und man kann vielleicht sogar anderen Leuten helfen. Auch Geschichten helfen manchmal schon ein riesiges Stück weiter, und wenn man sich nur ablenken kann, weil man gerade einen verdammt miesen Tag hatte. Allein das ist im Prinzip unbezahlbar.

Das Schlimme an der ganzen Sache ist nicht, dass man, obwohl man sich den Allerwertesten aufreißt, nicht reich wird. Das war meistens gar nicht der Plan, weil man damit sowieso nicht rechnet. Das Schlimme ist, dass dieser ganze Phantastik-Bereich, das komplette Genre inklusive dem Drumherum wie bereits gesagt, immer noch nicht ernst genommen wird. Mitsamt allen Leuten, die dazugehören und ihr Herzblut reinstecken. Als wäre echte Begeisterung und echter Enthusiasmus nichts wert. Überzeugt von dem zu sein, was man da tut, scheint irgendwie out zu sein heutzutage. Ich persönlich finde das schlimm, aber ich gehöre ja selbst zu diesen seltsamen Menschen und bin auch noch stolz darauf. 

Ich könnte jetzt ziemlich lange darüber schimpfen, dass ich die Schnauze voll davon habe, dass die Phantastik immer noch, wieso auch immer, in dieser „nicht ganz für voll nehmen“-Schublade steckt. Ich kapiere selbst beim besten Willen nicht, was sie da macht, vielleicht verwechseln immer noch zu viele Leute „Fantasie haben“ mit „nicht alle Tassen im Schrank haben“, keine Ahnung. Auf ein paar Tassen zu verzichten, aber dafür unzählige Welten besuchen zu können und auf den entsprechenden Veranstaltungen mit anderen Leuten total begeistert darüber reden zu können, scheint mir aber ein ganz guter Tausch zu sein. Also, ich könnte jetzt lange schimpfen, aber es muss ja nicht immer so negativ sein, obwohl es gerade jetzt so richtig nötig ist, mal Krach zu schlagen, was zum Glück auch schon passiert.

Nein, genug geschimpft. Stattdessen denke ich mir gerade, wenn es nicht immer jemanden gegeben hätte, der irgendwann aus der Norm ausgebrochen ist, dann würden wir heute noch so was von in Höhlen leben. Es waren meistens diejenigen, die von anderen schräg angeschaut wurden, egal ob „verrückter“ Wissenschaftler, Ingenieur oder Schriftsteller, die zu Hause gefragt wurden, ob sie nicht auch was „Anständiges“ hätten lernen können, die am Ende irgendetwas Großartiges auf die Beine gestellt haben. Das war so und das wird auch so bleiben. Also, vielleicht ist es nicht so ganz der richtige Weg, diejenigen nicht ernst zu nehmen, die mit einer wahnsinnigen Energie einfach mal was in Angriff nehmen, was dann am Ende, man höre und staune, sogar klappt und wofür sich richtig viele andere Leute begeistern können. 

Ich wüsste jedenfalls nicht, was ich ohne phantastische Literatur und die Leute drum herum machen würde. Es sind nicht nur die Bücher im Regal, die unzähligen Ausflüge in phantastische Welten, die ich machen konnte, die Geschichten, die sich oft auch mit ganz grundsätzlichen Fragen beschäftigt haben. Es sind vor allem auch die Menschen dahinter. Es ist eine ganz andere Atmosphäre als bei anderen Genres, es ist unkomplizierter, familiärer und auch, wenn man neu ist, beißt da niemand. In anderen Bereichen kann das auch mal ganz anders aussehen.

Ich lese auch sehr gerne Krimis und Thriller, so ist es ja jetzt nicht. Auch damit habe ich schon viele begeisterte Lesestunden verbracht, völlig eingefahren auf ein Genre bin ich also definitiv nicht :-). Es existiert sogar genau ein einziger Liebesroman, den ich tatsächlich richtig gut finde. (Wobei ich zugeben muss, dass man mich mit so was wirklich jagen kann, was wohl der Grund dafür ist, dass  dieses eine Buch voller lustiger Momente, Gesellschaftskritik und natürlich inklusive einem Schriftsteller als Hauptfigur und ohne klassisch-kitschiges Happy-End das einzige aus dem Genre geblieben ist, was mich begeistert hat.) Es gibt jedenfalls ziemlich viele gute Bücher aller möglicher Genres auf diesem Planeten, wäre ja auch schlimm, wenn das anders wäre.

Trotzdem ist und bleibt der ganze, ich nenne es jetzt einfach mal liebevoll Phantastik-Zirkus etwas ganz Besonderes. Und das muss wohl an den Menschen liegen, denn schließlich sind die es, die die Bücher schreiben, die das ganze Drumherum auf die Beine stellen und die aus Begeisterung nicht den einfachen Weg gehen, sondern im Zweifel auch mal alles andere hinschmeißen und sich voll und ganz auf ihre Herzensprojekte konzentrieren. Das sollte man belohnen, nicht komisch angucken.

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