Freitag, 7. Oktober 2016

Tanzritual Festival 2016 und ein Wochenende voller Kreativitätstankstellen



Schon letztes Jahr hatten wir das Tanzritual Festival im Saarland besucht, aber hier auf dem Blog nur kurz erwähnt. Damals dachte ich, es hat ja nichts mit Büchern oder Geschichten zu tun, also lassen wir das. Festivals gehören einfach nicht zum Thema. Im Endeffekt tun sie das aber sehr wohl, und das gleich aus mehreren Gründen: 

Erstens ist positive Reizüberflutung hin und wieder super für das Gehirn. Man kann sich dabei so richtig schön den Kopf durchpusten lassen und gerade, wenn man viel um die Ohren hat, kann das echt entspannend sein. Buchmessen sind auch so ein Ding, jede Menge zum Anschauen, ganz viele Menschen zum Reden – irgendwann ist der Kopf voll, aber auf positive Art und Weise. Festivals sind genauso eine Sache. Reizüberflutung gibt es natürlich auch in negativ, aber darum geht es gerade definitiv nicht.
Zweitens und zurück zu den Festivals: So viel Musik bringt die Kreativität schnell mal zum Übersprudeln. Zumindest meine. Also, das Tanzritual Festival war dieses Jahr definitiv eine meiner Kreativitäts-Tankstellen, schon alleine deshalb hat es also hier seine Daseinsberechtigung.
Und dann ist da drittens noch dieses Festival an sich. Ein total entspanntes, gemütliches Familientreffen, das unbedingt mehr Besucher verdient hätte. Das Gelände ist super, das Line-up sowieso – wer nicht dabei war, hat echt was verpasst.


[Ein wenig schimpfen muss ich jetzt aber auch mal: Alles, was toll ist, findet natürlich auch jemanden, dem es nicht passt. Ein paar Anwohnern war, nach dem, was man so mitbekommt, wohl die Musik zu laut. Wie man darauf kommen kann – keine Ahnung. Pünktlich um 22 Uhr war auf dem Gelände Ruhe und sogar wenn man am Nachmittag angekommen ist, hat man vom nur wenige Meter entfernten Parkplatz die Musik zwar gehört, aber laut ist was völlig anderes. Herrje, bei anderen Festivals wurde auch mal bis nachts sozusagen das ganze Dorf beschallt, die Hauptstraße war mehrere Tage gesperrt und die Leute waren froh darüber, weil all diese seltsamen Gestalten von außerhalb auch im Ort eingekauft haben und so. Ganz ehrlich, auf der Dorfkirmes bekommt man von der Blasmusik beim Frühschoppen schneller einen Hörsturz und da laufen nachts noch betrunkene Menschen nach Hause und grölen auch um zwei oder drei Uhr noch lautstark. Meine Güte …]

So, weiter im eigentlich Text und vom Saarland noch mal kurz nach Hessen. Dieses Jahr sind wir nämlich am Samstag erst gegen frühen Abend im Erlebnisort Reden angekommen, weil wir freitags noch Avantasia in Gießen anschauen waren. Die letzte Show in Deutschland der Ghostlights-Tour, die richtig gut war. Noch eine Kreativitäts-Tankstelle, in dem Fall schon zum zweiten Mal :-). Gegen das Konzert an sich lässt sich absolut nichts sagen, Avantasia live sollte man wirklich mal erlebt haben. Gegen die Organisation drum herum schon eher, aber das Geschimpfe erspare ich uns jetzt. Das Spannende beim direkten Vergleich zwischen Freitag in Gießen und Samstag in Reden ist jedenfalls: Das Festival im Saarland hat deutlich besser funktioniert. Es gibt natürlich immer Dinge, ob die reibungslos laufen oder nicht hat sehr viel mit der Anzahl der Besucher zu tun. Es gibt aber auch Dinge, die haben mit der Besucherzahl nichts zu tun. In Gießen war es definitiv letzteres, „Da waren bestimmt auch mehr Leute“ ist also kein Argument.

Jetzt aber endgültig zurück ins Saarland und zum Tanzritual Festival. Wir ließen den Samstag ruhig angehen, haben es uns erstmal bei traumhaftem Festivalwetter eine Weile auf der Treppe gemütlich gemacht. Am Abend gab es dann Diary of Dreams aus der zweiten Reihe, die mal wieder richtig gut waren. Sollte man auch mal live erlebt haben. Ich war begeistert, die Stimmung war super – sehr toll.

Sonntag waren wir dann früher in Reden. Auch wenn es im Saarland teilweise geregnet und gewittert hat, das Festivalgelände blieb trocken und die Stimmung war weiterhin sehr gut. Endlich habe ich es auch mal geschafft, SITD live zu sehen – wurde ja auch langsam Zeit und hat sich richtig gelohnt. Danach kam dann das nächste Highlight an einem musiktechnisch genialen Wochenende: Lord of the Lost. Was soll man dazu noch sagen – ich war ja an dem Wochenende sowieso schon verwöhnt und nachdem auch diese Band einen super Auftritt hingelegt hat, bekam ich das Grinsen erst mal gar nicht mehr aus dem Gesicht. 

Leider ist auch das schönste Festival irgendwann vorbei. Danach geht es aber kreativitätstechnisch erst so richtig los :-). Es gab da einen groben Plot, dessen Grundidee schon Jahre alt ist und ganz vollständig war dieses Grundgerüst bisher nie. Wie das dann oft ist, wurden die Figuren teilweise noch mal getauscht, der Ablauf noch mal geändert, hin und her überlegt und das Ding immer wieder zur Seite geschoben, weil andere Sachen zuerst dran waren. Genau genommen sind immer noch andere Sachen zuerst dran, aber so eine Geschichte kann energisch werden und auf einmal macht man was, was man gar nicht soll, sitzt mit der Festival-Laune im Kopf in der Sonne und ertappt sich dabei, den Plot noch mal neu aufzuschreiben, und testet dann „nur mal“ ob man den Anfang vielleicht auch noch hinbekommt … Tja, und plötzlich hat das Ding recht schnell um die 150 Seiten und die Hälfte der angedachten Wortanzahl, obwohl es eigentlich nicht dran ist, keine Zeit da ist … vielleicht kennt das ja jemand.

Was sagt mir das jetzt? Eigentlich nichts Neues. Musik ist nach wie vor der Motor, der die Bilder im Kopf zum Laufen bringt. Was dann am Ende auf dem Papier landet, hat nicht mal was mit den Bands zu tun, mit den Texten oder mit irgendwelchen Dingen, die auf einem Festival so passieren (auch wenn ich darüber tatsächlich einiges schreiben könnte, wenn ich es verraten wollen würde …). Manchmal reicht zwar eine Textzeile, um eine ganze Welt vorm inneren Auge auftauchen zu lassen. Oft ist es aber einfach die Atmosphäre und eben die schon erwähnte positiv Reizüberflutung, die alles noch mal durcheinanderwirbelt und damit auch die Wörter an die richtige Stelle schüttelt. Eins der besten Mittel gegen festhängende Geschichten oder unvollständige Plots sind für mich also Konzerte und Festivals. Da kann ich gar nicht verhindern, dass mir etwas einfällt. 

Am Ende hatte also das Tanzritual Festival durchaus eine ganze Menge mit Geschichten zu tun. Nicht zum ersten Mal übrigens, aber das wird jetzt noch nicht aufgelöst. Ich kann aber schon mal verraten, dass ich mit „Ich hab die Idee vom Festival mitgebracht“ nicht alleine bin.

Mit dem Tanzritual Festival war dann die Festival-Saison auch vorbei, aber nach dem Konzert ist ja zum Glück immer vor dem Konzert. Mal sehen, wie viele Konzerte / Festivals es braucht, bis die, nennen wir sie einfach mal Festival-Geschichte ganz fertig ist. Momentan macht sie sich jedenfalls zu gut und hält mich von der Arbeit ab. (Nein, es ist keine Deadline in Gefahr. ;-) )So, ich bin dann mal die Musik aufdrehen und weiter tippen …

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