Mittwoch, 15. März 2017

Making-of "Alice - Follow the White ..." Teil 2: Debütroman aus dem Kaninchenbau

Bis hierhin ging es also mit Alice ganz gut. Und dann kam noch ein Schreckmoment am Ende. Auf einmal hatte ich keinen Plan, wie der Schluss jetzt genau ablaufen sollte. Meine Figuren brauchten aber einen Plan, sonst würden Alice, Betty und Chloe kläglich an ihrer Mission scheitern und könnten sich vom Kaninchen sonst was anhören. Das ganze Dings war also in der Rohfassung fast fertig und hat auf einmal gestreikt. Vielen Dank auch, ich hatte mir ja gleich gedacht, dass es eine verdammt blöde Idee war, aber Dummheiten sind eben auch dafür da, dass man sie macht.

Anscheinend musste die Geschichte aber nur mal Luft holen und sich sortieren, jedenfalls hat sie mir dann doch verraten, wie sie endet. Und damit mir dieser Schluss nicht noch mal entwischt (Kaninchenbau und so) habe ich beschlossen, einen Tag lang alles, aber auch wirklich alles, andere auf die Seite zu legen und zuzusehen, dass „Projekt Alice“ endlich fertig wird. Das war dann der zweite Schreibtag mit über 10.000 Wörtern und am Ende war es nicht mal so richtig Nachmittag, Geschichte erledigt, ich erledigt, aber – 30.11.2016, Rohfassung durch, Mission erfüllt. 

So im Nachhinein hatte ich noch nie mit einer Geschichte so wenig Probleme wie mit diesem „Projekt Alice“; das übrigens noch bei Manuskriptabgabe Mitte Dezember keinen Namen hatte. Ob es daran lag, dass ich tatsächlich keine Zeit zum Nachdenken hatte, sondern in Rekordgeschwindigkeit schreiben musste oder vielleicht auch am Soundtrack, keine Ahnung.
Von wegen Soundtrack. Schreiben ohne Musik geht ja gar nicht und die Playlist bei „Alice“ war tatsächlich ein einziges Durcheinander, wie sich das im Wunderland gehört. 

„White Rabbit“, logisch, in unterschiedlichen Versionen: Emiliana Torrini, Pink und die Crüxshadows.

„Sweet Dreams“ in der Version von Emily Browning und „Where is my mind?“ (Yoav featuring Emily Browning). Ohne den Soundtrack von Sucker Punch ging diese Geschichte einfach nicht.

„8th Square“ von den Crüxshadows war noch dabei, da das auf der „Birthday“-Single drauf ist, rutschte „Birthday“ mehrmals dazwischen, was wohl den einen oder anderen Satz noch mal geändert hat …

Und auf einmal auch Korn. „Get up“ lief teilweise in Endlosschleife, von da an ging es dann über zu „Freak on a leash“, „Falling away from me“ und „Alone I break“. Hat sich tatsächlich verdammt gut gemacht. 

Bis jetzt passt das noch alles irgendwie, aber dann kam Within Temptation dazwischen. Nein, eben nicht „Ice Queen“, sondern eine Sammlung von Covern. „Summertime Sadness“ und „Radioactive“ und solche Dinge. Völlig untypisch für mich. Ich weiß auch nicht mehr, wie ich darauf gekommen bin, die zum Schreiben zu hören. Hauptsache, ich weiß, was ich dabei geschrieben habe :-). Auch richtig gut haben sich „And we run“, „Paradise“ und „Utopia“ gemacht, immerhin sind das wirklich Lieder von Within Temptation, nichts mehr mit Pop-Covern. 

Und dann der nächste seltsame Schwenk zu Marilyn Manson, vor allem gegen Ende der Geschichte. „Running to the Edge of the World“, „Coma white“ und Putting Holes in Happiness”, in dem Fall eben nichts mit „Sweet Dreams“.

Schließlich war „Projekt Alice” also fertig und auf und davon und es war im ersten Moment ein sehr seltsames Gefühl. Die Geschichte ist praktisch über meinen Schreibtisch gehuscht, als wäre sie selbst ein weißes Kaninchen, das einen wichtigen Termin hat, was ja auch nicht ganz falsch ist. Nach den paar Wochen habe ich fast erwartet, dass eben der besserwisserische Fellball noch schlaue Kommentare von sich geben müsste, und ohne das Geschnatter von Alice, Betty und Chloe war es auf einmal so ruhig in meinem Kopf. Aber streng genommen muss ihre Geschichte auch noch nicht so ganz vorbei sein. 

Eine Begegnung der dritten Art mit dem Notizbuch hatte ich schließlich noch im Januar. Vielleicht sollte man das grundsätzlich nicht tun, aber ich habe mir die ersten Plot-Notizen noch mal angeschaut und kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus, was ich da eigentlich vorhatte und nicht geschrieben habe. Zum Glück. Tatsächlich stehen in dem Notizbuch ein paar Sachen, die waren mir so neu, als hätte ich sie nie aufgeschrieben. Kennt das jemand, wenn man sich ursprüngliche Ideen zu Geschichten anschaut und auf das eigene Geschreibsel nur noch mit einem recht fassungslosen „Oh“ reagieren kann? Jedenfalls war das „Oh“ dicht gefolgt von einem „Der Muse sei Dank, dass ich das da wieder vergessen habe“ und der Erkenntnis, dass es ziemlicher Mist geworden wäre, wenn ich es nicht vergessen hätte. Manchmal trickst einen der eigene Kopf eben ganz wunderbar aus und bei „Alice“ war das gleich mehrmals der Fall.

So kann also aus einer als „völlig egal“ geplanten Geschichte der Debütroman werden. Was jetzt zwar automatisch heißt, dass es sich mit der „völlig egal“-Einstellung erledigt hat, aber der Spaß ist geblieben. Mal sehen, wann das weiße Kaninchen mal wieder zum Tee vorbeikommt ...


Von wegen „weiß“. Wenn ich schon dabei bin, aus dem Nähkästchen zu plaudern, kann ich auch gleich noch den Grund anhängen, wieso „Projekt Alice“ am Ende einen englischen Titel bekommen hat. Mit dem Englischen lassen sich manchmal einfach die schöneren Spielereien veranstalten. Man kennt ja das weiße Kaninchen und auch den Satz „Folge dem weißen Kaninchen“. Jetzt spielt aber nicht nur das weiße Kaninchen eine Rolle in „Alice – Follow the White …“ sondern eben auch die Weißen Schatten, eine Sorte Untote, der Alice und ihre Begleiter begegnen.

Auf Deutsch hätte man jetzt „Folge dem weißen …“ nehmen können, dann denkt jeder automatisch „Kaninchen“. Oder „Folge den Weißen …“ und dann wäre die Frage vor Lesen des Buches gewesen „den weißen was denn bitte?“. Hätte außerdem bisschen seltsam ausgesehen, das „Weißen“ im Titel großzuschreiben, aber wegen „Weiße Schatten“ als fester Begriff … alles nicht so einfach.

Auf Englisch klappt das wiederum. Egal ob „den Weißen ...“ oder „dem weißen ...“, das ist alles „the white ...“. Deshalb hat der Titel auch drei Punkte bekommen, im Endeffekt fehlt tatsächlich noch ein Wort, und das ist nicht unbedingt „Rabbit“ ;-).

Kommentare:

  1. Vielen Dank, dass Du uns einen kleinen Einblick in den Schaffensprozess gibst. :)
    Ich finde es super spannend, welche Musik Autoren so beim Schreiben hören.

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    1. Gern geschehen :-).
      Es überrascht mich manchmal selbst, wie sich der Soundtrack entwickelt.

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  2. oh wow... eine interessante Musikmischung... Wahnsinn... auch irgendwie skurril ...lach... wie "Alice - Follow the White" auch...grins..

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